Rundgang

Treppenhaus

Als Zufahrt zum Schloß wurde früher der Weg benutzt, der heute noch von Birlinghoven zum Schloß hochführt und die Besucher - verglichen mit der breitausladenden barocken Terrasse - zum schlichten Hauseingang bringt.

Nach ein paar Schritten steht man in der Mitte des Treppenhauses, das ganz von einer rundgeführten Stiege mit einem eleganten, schmiedeeisernen Geländer aus der Mitte des 18. Jahrhunderts eingenommen wird, das aus Berlin stammen soll. Höchst reizvoll ist hier nun die Einbindung des großen, vom Dekor des Außenbaus bestimmten Maßwerkfensters in spätgotischen Formen als zentrale Lichtquelle. Der Dekor des die Treppe bergenden Vestibüls paßt sich dabei dem Stil des schönen Rokoko-Geländers an.

Vom Treppenhaus führen zwar zwei schmale Flure in die Seitenflügel, es ist jedoch ganz auf den Zutritt zum ebenerdigen großen Saal und auf den Aufgang zu den repräsentativen Räumen im ersten Stock ausgerichtet.

Gegenüber dem Eingang liegt die von zwei Leuchtern eingerahmte Tür zum Großen Saal, in deren Sprossen Spiegel eingesetzt sind. Der Besucher ist zunächst mit seinem Spiegelbild konfrontiert, beim Nähertreten kommt jedoch mehr und mehr die Spiegelung des großen Maßwerkfensters ins Blickfeld.

Galerie-Saal (Großer Saal)

Praktisch ist der Große Saal nicht, er will vor allem beeindrucken. Der Blick fällt sofort auf die in mehreren Reihen übereinanderhängenden Bilder und die prachtvolle neobarocke Stuckdecke. Die Decke nimmt Bezug auf die den Raum bestimmenden, originalen italienischen Kamine des 17. Jahrhunderts und auf die Gemälde, die der Zeit vom späten 16. bis in das 18. Jahrhundert angehören. Die Jahreszahlen in den Ecken der Stuckdecke beziehen sich möglicherweise auf die Familiengeschichte des Erbauers.

Zum hohen, achteckigen Saal gehören neben den vier Türen, die in die angrenzenden Räume bzw. den Garten führen, vor allem auch die vier Kamine bzw. Wandnischen in den Schmalseiten. Vom Vestibül aus gesehen fällt der Blick auf zwei Kamine mit schweren Umrahmungen aus rötlichem Marmor, besetzt mit Engelsköpfchen aus weißem Marmor; wohl italienische Arbeiten des 17. Jahrhunderts. Hinter der Feuerung sind zwei gleiche Gußeisenplatten des 17. Jahrhunderts mit einer Darstellung des Parisurteils eingelassen. Auf den beiden Kaminen stehen ostasiatische Standvasen, die offenbar im 19. Jahrhundert zu Leuchtern umgearbeitet wurden. In den gegenüberliegenden Wandnischen stehen zwei spätantike Marmorfiguren der Minerva und des Merkur, die stark ergänzt und überarbeitet sind. Sie stammen aus dem Palazzo Giustiniani-Bandini in Rom.

Von einer kleinen Empore und zwei Eckfenstern, die vom oberen Vestibül aus zugänglich sind, blickt man auf die in drei Reihen aufgehängten Bilder. Der Blick von oben ist aber auch wegen des Parketts reizvoll, denn von hier aus sind die op-art-Effekte erfahrbar (nach kurzer Zeit des Fixierens springen die zunächst als Hintergrund gesehenen Felder nach vorne).

Minerva (Großer Saal)

Die Angaben über die Herkunft der Minerva stammen aus dem Gutachten von Dr. Hans Peter Hilger (dem ehemaligen Leiter der Abteilung Inventarisation beim Landeskonservator Rheinland), der sich vielleicht auf das Werk von Paul Clemen "Kunstwerke des Rhein-Sieg-Kreises", Düsseldorf 1907, bezieht. Clemen listet, möglicherweise auf Grund entsprechender Aussagen der Schloßherren, die Statuen wie folgt auf: "In den Wandnischen des Saales die stark ergänzten und überarbeiteten Figuren der Athene und des Merkur, aus dem Treppenhaus des Palazzo Giustiniani-Bandini in Rom herrührend." Athene dürfte dabei mit Minerva identisch sein, denn von einer dritten Figur ist nichts bekannt. Die erwähnte Restauration der Statue kann die Ursache dafür sein, daß die zitierte blanke Stelle auf der rechten Hand der Minerva nicht mehr zu erkennen ist.

 

Goethe über die Minerva

Im Palaste Giustiniani steht eine Minerva, die meine ganze Verehrung hat. Winckelmann gedenkt ihrer kaum, wenigstens nicht an der rechten Stelle, und ich fühle mich nicht würdig genug, über sie etwas zu sagen. Als wir die Statue besahen und uns lang dabei aufhielten, erzählte uns die Frau des Kustode, es sei dieses ein ehemals heiliges Bild gewesen, und die Ingelesi, welche von dieser Religion seien, pflegten es noch zu verehren, indem sie ihm die eine Hand küßten, die auch wirklich ganz weiß war, da die übrige Staue bräunlich ist. Auch setzte sie hinzu, eine Dame dieser Religion sei vor kurzem dagewesen, habe sich auf die Knie niedergeworfen und die Statue angebetet. Eine so wunderliche Handlung habe sie, eine Christin, nicht ohne Lachen ansehen können und sei zum Saal hinausgelaufen, um nicht loszuplatzen. Da ich auch von der Statue nicht weg wollte, fragte sie mich, ob ich etwa eine Schöne hätte, die diesem Marmor ähnlich sähe, daß er mich so sehr anzöge. Das gute Weib kannte nur Anbetung und Liebe, aber von der reinen Bewunderung eines herrlichen Werkes, von der brüderlichen Verehrung eines Menschengeistes konnte sie keinen Begriff haben. Wir freuten uns über das englische Frauenzimmer und gingen weg mit der Begier, umzukehren, und ich werde gewiß bald wieder hingehen. Wollen meine Freunde ein näheres Wort hören, so lesen sie, was Winckelmann vom hohen Stil der Griechen sagt. Leider führt er dort diese Minerva nicht an. Wenn aber nicht irre, so ist sie von jenem hohen, strengen Stil, da er in den schönen übergeht, die Knospe, in dem sie sich öffnet, und nun eine Minerva, deren Charakter eben dieser Übergang so wohl ansteht!

Johann Wolfgang von Goethe:
Italienische Reise (13. Januar 1787)

Roter Saal, Bibliothek

Zum Programm des zentralen Galeriesaales gehören aber auch die flankierenden Räume, der nördliche mit der barocken Täfelung, der südliche mit dem marmornen Wandbrunnen und den an den Wänden angebrachten Gemälden.

Die vorzüglich geschnitzte Täfelung des wegen der vorherrschenden rötlichen Farbe "Roter Saal" genannten Raumes stammt von 1699 (Jahreszahl im Mittelstück), und war wohl das Dorsale (Rückwand) eines Chorgestühls aus einer Kirche der belgischen Provinz Limburg.

Die stattliche Barocktäfelung ist mit einem sehr starken Relief versehen und wird von Pilastern gegliedert. Zwischen diesen gliedernden Wandpfeilern sitzen abwechselnd Muschel-Ornamente und vollplastische Engelsköpfchen, die von Zierwerk mit Laub, Ähren und Früchten gerahmt werden. Die Pfeiler sind meistens mit Laubmotiven geschmückt. Zwei Pilaster tragen jedoch Widderköpfe, die durchaus menschliche Züge haben (und vielleicht Teufel assoziieren sollen). Über den zwei kleinen Türen zu den Eckzimmern, der früheren Bibliothek, hängen ganz ähnlich wirkende Masken.

Im Roten Saal hängen einige Portraits, vor allem wird aber die Stirnseite durch das Bild "Bathseba im Bade" eingenommen, das Hilger ein "Meisterwerk" nennt. Der Saal wird von vier schönen Kristallkronen beleuchtet.

Nach P. Clemen hing 1907 über der Täfelung ein Brüsseler Gobelin (aus einer Folge von 15 Stücken nach Entwürfen von P. P. Rubens, von der Infantin Isabella für das Klarissenkloster in Madrid gestiftet). Auch 1945 wird in der Inventarliste der 5x6 Meter große Gobelin noch erwähnt und mit 150.000 RM geschätzt.

Grüner Saal, Jagdzimmer

Vitrine im Grünen Saal - Ansicht Jagdzimmer

Vitrine im Grünen Saal - Ansicht Jagdzimmer

Ähnlich wie im Roten Saal wird auch die Stirnseite des Grünen Saales durch ein großes Gemälde beherrscht, die "Allegorie der Jagd". Es handelt sich nach Hilger um eine jüngere Kopie eines Bildes von Jan Weenix d.J., das die Ansicht des Bensberger Schlosses mit Jagdtrophäen darstellt. Das Original wurde 1712 im Auftrag des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz für Bensberg gemalt, und ist seit 1805 in der Alten Pinakothek in München. Ein schönes Marmorbecken mit Delphin aus weißem Marmor, wohl italienisch und 17. Jahrhundert, ein Kamin mit Delfter Kacheln und zwei Vitrinen mit alten Tellern geben dem Grünen Saal einen fast wohnlichen Charakter. Ein großer Kristall-Kronleuchter hängt in der Mitte des Saales. Im Jagdzimmer, einem vom Grünen Saal zugänglichen Turmzimmer, ist neben den obligatorischen Trophäen insbesondere eine schöne Stuckdecke zu bewundern. Heute werden im Jagdzimmer besondere Gäste der FhG bewirtet.

Kapelle

Kapelle in Schloß Birlinghoven (mit der originalen Einrichtung, ca. 1965)

Kapelle in Schloß Birlinghoven (mit der originalen Einrichtung, ca. 1965)

Ursprünglich wollten sich die neuen Schloßherren Louis und Emma Hagen an der Erweiterung der Dorfkirche in Birlinghoven beteiligen, wird berichtet. Da sich aber einige Birlinghovener über die Bedingung empörten, den Spendern eine repräsentative Kirchenbank zu reservieren, entschied sich das Ehepaar Hagen zum Anbau der eigenen Kapelle ans Schloß.

Die Steine holte man diesmal aber nicht wie beim Schloßbau aus England, sondern verwandte Ziegel der Brennerei in Birlinghoven. Kardinal Schulte, Erzbischof von Köln, und der Dompropst Dr. Middendorf weihten die Kapelle zusammen mit örtlichen Geistlichen und im Beisein einer Reihe von Ehrengästen am 19. Dezember 1921 kirchlich. 

Die Kapelle selbst ist schlicht, auch die barocken Kirchenbänke fügen sich in dieses Gesamtbild ein. Ein einfacher schmiedeeiserner Ring trägt acht Leuchten. Einige schöne staufische Kapitelle aus rheinischen Kirchen, deren genaue Herkunft unbekannt ist, tragen die Dachkonstruktion.

Neben der einfachen Täfelung setzen Glasfenster Akzente. Der Vorraum zur Schloßkapelle birgt eine erlesene Folge von kleinteiligen Kabinettscheiben des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Außerdem zieren vier Glasfenster mit Bildern der Märtyrer Victoria, Clemens, Irene und Antonius (alle mit dem Zusatz ora pro nobis") den Kapellenraum.

Ein aus Italien stammender romanischer Taufstein, der früher wohl im Garten aufgestellt war, befindet sich nun im Vorraum der Kapelle. Im zweiten Vorraum sind einige Fragmente gotischer Bauplastik, anscheinend Kölner Provenienz. Altar-Tryptichon, Orgel und liturgische Geräte wie Monstranz oder Meßkelch waren ausweislich einer Inventarliste bis 1945 (und wie das Bild zeigt, bis 1965) noch vorhanden, jetzt befinden sich außer der rudimentären Einrichtung noch einige Meßgewänder in der kleinen Sakristei.