Digitale Chancen für den Mittelstand

© Fraunhofer IAIS

Digitalisierung verändert die Gesellschaft: Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten auf Schloss Birlinghoven über die Folgen.

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Standardisierung beschleunigt und verbessert den virtuellen Materialentwurf. Klaus Wolf vom Fraunhofer SCAI stellte das Forschungsprojekt VMAP vor.

 

»Künstliche Intelligenz ist wie Strom«

 

Für Unternehmen ist es existenziell wichtig, sich mit dem Thema Digitalisierung zu befassen – dies ist das Fazit einer Veranstaltung vom 11. Oktober 2018 auf Schloss Birlinghoven. Die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen und Fraunhofer hatten zu einem Informationsabend eingeladen.

Was Künstliche Intelligenz (KI) mit Strom gemeinsam hat? – für Prof. Dr. Stefan Wrobel ist das klar: »Wenn man sich fragt, welche Branche KI braucht, dann ist das so, als würde man fragen: Welche Branche braucht Strom?« Der Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS machte deutlich, warum es wichtig ist, sich jetzt mit KI und Digitalisierung zu beschäftigen – auch für mittelständische Unternehmen: »Arbeitsplätze und Gesellschaft werden sich verändern und wir müssen uns anpassen.«

Nach diesem Appell zu Beginn des Informationsabends zum Thema »Intelligente Technologien, smarte Produkte – digitale Chancen für den Mittelstand«, widmete sich je ein Fraunhofer-Vertreter zusammen mit einem Wirtschaftspartner in den Vorträgen »Sichere Verwaltung mittels Blockchain« und »Virtual Enigneering« Anwendungsbeispielen für die Digitalisierung.

So präsentierte Klaus Wolf vom Fraunhofer-Institut für Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI zusammen mit Dr. Olaf Bruch, dem Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Dr. Reinold Hagen Stiftung, das Projekt »Virtual Material Modelling in Manufacturing« (VMAP). Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Vorhaben widmet sich der Standardisierung von Software-Schnittstellen beim Virtual Engineering. Hierbei können mit Hilfe von Computersimulationen Herstellungsprozesse optimiert werden, so dass beispielsweise weniger Material benötigt und die Produktqualität verbessert wird. Dabei kommen mehrere Simulationsprogramme zum Einsatz. Umständlich und zeitaufwändig ist derzeit jedoch die Datenübertragung zwischen den Anwendungen. Durch VMAP soll sich das ändern. Das Projektziel ist es, einen Standard für den Datenaustausch zu etablieren. Gerade für Unternehmen in der Region sei das interessant, erklärte Bruch: »Hier gibt es erstaunlich viele Firmen, die Blasformbehälter produzieren.« Für die optimale Herstellung dieser Behälter, zu denen sowohl Waschmittelflaschen als auch Großbehälter für Chemikalien gehören, sei die Materialmodellierung entscheidend und könnte durch VMAP vereinfacht werden. Auch große Unternehmen wie Phillips und Audi sind am Projekt beteiligt.

Heiko Oberlies von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg erläuterte die Ziele des Informationsabends: »Vertreter der Industrie erhalten Einblicke in die Wissenschaft und werden dadurch zu eigenen Projekten inspiriert.« Sein Kollege Tobias Hövelborn, Vorsitzender des Informations- und Kommunikationstechnik-Ausschusses, wies in der Begrüßungsrede darauf hin, wie entscheidend Digitalisierung für die Unternehmen sei, um wettbewerbsfähig zu bleiben und dass Fraunhofer, als europaweit größte Forschungsorganisation der anwendungsorientierten Forschung, dabei ein ganz wichtiger Partner sei. (Veronika Scheuer)